Expat

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expat
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Expat

Beitrag von expat »

Man hat mir bei meinem zweiten Anlauf (oder war es der dritte?)im Nittaya
meine dreckige Art vorgeworfen. Darauf habe ich dies geschrieben. Es er-
spart mir hier eine Vorstellung, wenn ich es einfach reinkopiere. So hat
alles doch irgendwann sein Gutes:
Meine dreckige Art.
Für mich ist das Leben zunächst ein Mal ein Vergnügen. Das weiß ich nicht
erst, seit ich in Thailand lebe, wo die das Sanuk nennen. Schon meinen
ernsthaften Mitmenschen in Deutschland ist das auf den Keks gegangen.
Die fanden mich nicht direkt seriös, weil ich immer auch das Komische an
einer Situation sah und außerdem eher dem Lustprinzip zuneigte. Das ist den
Vertretern des Leistungsprinzips ein Dorn im Auge. Besonders, wenn man
als Lehrer an einer Schule tätig ist. Dem Kunstlehrer hat man das aber als
fachtypische Verrücktheit dann doch irgendwie duldend zugestanden.

Mein Prinzip war immer, wenn du es mit weniger Aufwand erreichen kannst,
dann tu' das. So entwickelte ich eine gewisse Fertigkeit darin,
aus dem Einen auf das Andere zu schließen. Das führte dazu, dass ich die
dahinter liegenden Strukturen erfassen musste, um nicht Gleiches doch
mit Ähnlichem in Verbindung zu bringen. In der Kunst also fand ich heraus,
dass in der Musik, der Literatur und der Bildenden Kunst dieselben Denk-
prozesse dafür verantwortlich sind, ob wir etwas interessant oder
banal finden. Nur die Strukturen und Inhalte ändern sich, nicht aber die
zugrunde liegenden Denkschemata. Vielleicht wurde ich ein guter Beobachte,
jedenfalls aber ein liebevoller.

Nur eins habe ich immer mit Abscheu betrachtet: Unredlichkeit, Unfair-
ness, Verlogenheit und Ungerechtigkeit nicht aber Dummheit. Auch macht
mir die Kommunikation und das Argumentieren Spaß. Bis zu einem gewissen
Grade stecke ich da auch zurück, wenn ich sehe, dass ich bekämpft werde.
Bei meinen Schülern habe ich mich sogar wirklich echt für sie gefreut,
wenn sie etwas besser wussten als ich. Es war mir dann auch egal, wenn
sie eventuell gedacht hätten, ich sei ein wenig doof. Ich wusste ja, dass
ich es nicht war.
Meine Freunde haben, seit ich mich erinnern kann, ein wenig unter meiner
ironischen aber relativ genauen Beobachtungsgabe gelitten, aber sie
konnten und wollten mir dafür nicht böse sein, weil sie merkten, dass
ich es nur genau beobachtet hatte, aber nicht böse meinte. Und wahr,
war’s meistens auch.

Ganz anders nun in den Foren. Da trifft man auf eine ungleich gewürfelte
Schar, denen man teilweise unterlegen und teilweise überlegen ist. Man
kann die Reaktionen schwer abschätzen, und komisch sein oder komisch
finden, wird extrem schwierig. Eigentlich kein Feld für mich. Da versagt
nun aber mein Drang zur Faulheit. So leicht will ich nicht aufgeben. Außer-
dem macht es ja auch Spaß. Ich habe mich also wieder rein geschlichen in
das Forum, das man aus unerfindlichen Gründen nicht nennen darf, ich setze
600 Posts ab, und dann kommt das Unvermeidliche. Ich habe wieder zu genau
beobachtet.

Da gibt es einen Witz. Ein Geiger geht durch die Wüste und geigt. Kommt
da ein kleiner Löwe und hört sich das an. Zum ersten Mal in seinem
Leben die Frühlingssonate von Beethoven. Er setzt sich hin und
genießt. Kommt ein großer Löwe (kein Drachen), schaut sich das an und
macht kurzen Prozess, wie Löwen eben so tun, wenn sie hungrig sind.
Sagt der kleine Löwe ganz traurig: „Warum hast du denn die schöne
Musik abgestellt?“. Sagt der große Löwe: Hääääää????“.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.
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