Prinzipientreue und Pragmatismus

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expat
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Beitrag von expat »

Zu dem Thema habe ich noch einen Bericht von mir aus
dem Jahre 2004 gefunden.

Farang in Thailand.
Ein normales zivilisiertes Land freut sich über Besucher und gibt dem Besucher zivilrechtlich so weit wie möglich dieselben Rechte wie den Einwohnern. Wenn also in England einer mich betrügt, mag man mir als Deutschem genauso helfen wie einem Engländer. Obendrein gibt es ja dann noch den europäischen Gerichtshof. Nun haben wir ja in Europa sowieso begünstigte Umstände für Ausländer europäischer Herkunft geschaffen. Nehmen wir also die USA. Wenn mich da einer anfährt, ist er schuldig. Wenn mich einer betrügt, kann ich klagen. Auch als Ausländer.
Ihr werdet mich fragen, warum schreibst du solche Selbstverständlichkeiten? Die Thailand-Erfahrenen werden aber wohl nicht fragen, denn sie haben mitbekommen, dass die Logik in Thailand keine Logik ist. Jedenfalls keine Logik in dem Sinne, dass Recht bleibt, was Recht ist. Ein Bekannter hier in Pattaya hat mir versichert, dass ein Freund von ihm Folgendes erlebt hat:
Er parkt sein gemietetes Auto nachts an einer freien Stelle, wo er parken darf. Was soll er auch sonst machen damit. Selbst ein Moped nimmt man ja nicht mit nach oben. Über Nacht fährt ein angesäuselter Thai mit seinem Motorrad auf das geparkte Auto auf. Der Mieter des Autos wurde zur Zahlung des Schadens am Motorrad verurteilt. Jetzt kommt es: Der Autofahrer hat den Unfall dadurch verursacht, dass er das Auto da hin gestellt hat, obwohl er kein Thai ist. Wäre er also zu Hause geblieben, dann hätte er das Auto da nicht hinstellen können. Nun wird ja wohl auch dem Letzten klar, dass er damit den Unfall verursacht hat. Außerdem hat er sowieso mehr Geld, als der Mopedfahrer, da ist es doch nur gerecht und sinnvoll, wenn er der Schuldige ist. Logisches Denken ist wohl im Thai-Schulsystem kein Lernziel, sondern nur das Nachbeten von Unverstandenem ist zumeist Gegenstand des Unterrichts.
Das war jetzt aber noch nicht der Gipfel der Absurdität. Laut Bangkok Post ist es letztlich einem deutschen Touristen passiert, dass er am Flughafen ein Taxi nahm und dasselbe einen Unfall mit einem Bus verursachte. Na, Gott sei Dank, diesmal ist er ja nicht selber gefahren, also aus dem unlogischen Spiel raus. Weit gefehlt. Eine Millionen Bath verlangt die Polizei von ihm, weil bei dem Bus einiger Schaden entstanden ist. Ja, aber der Taxifahrer hat doch den Unfall verursacht. Na und? Das hat er doch nur getan, weil der Tourist nicht in Deutschland geblieben ist. Hätte er das nämlich getan, dann wäre kein Unfall geschehen. Wieso sind die Farangs immer so begriffsstutzig und uneinsichtig? Wahrscheinlich alle Kiniaus (Cheep Charlies).
Was lernen wir daraus? Eigentlich nur, dass wir besser nicht nach Thailand reisen, oder wenn es unbedingt nötig ist, nur in Taxis einsteigen, die keine Unfälle machen. Weiterhin sollten wir so eingeschränkt wie möglich leben, damit wir nie Kontakt mit den Lebensumständen in Thailand oder deren Einwohnern haben.
Wie sieht denn so ein Urlaub aus? Pauschalreise in abgegrenzte Luxusressorts möglichst mit Ausgangssperre in die reale Welt. Wenn einem dann in so einer Umgebung der Thaimasseur den Arm bricht, ist man natürlich auch selber Schuld. Man hätte ja woanders hinfahren können.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.
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expat
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Re: Prinzipientreue und Pragmatismus

Beitrag von expat »

Der Thai denkt pragmatisch, der Farang prinzipiell. So ähnlich habe ich bisher unterschieden. Und prinzipiell mag das ja auch stimmen. Nun aber zweifle ich an dieser Aussage, denn prinzipiell ist es richtig, dass man nur für eine Leistung zahlen muss, die man auch nutzt. Da kommt doch diese bekloppte Verwaltung unseres Landes daher und will Haushalte die Rundfunkgebühr bezahlen lassen. Können Haushalte fern sehen. Nein sage ich dazu, das können die nicht. Noch nicht mal der Besitz eines Fernsehers muss bedeuten, dass man auch fern sieht. So war schon die alte Regelung das Ergebnis von rein pragmatischem Denken, das prinzipielle Erwägungen eklatant ignorierte. Was aber jetzt da ausgeheckt wurde, kann Menschen in den Wahnsinn treiben, die prinzipiell denken können. Ich habe mich jedenfalls ganz pragmatisch in Deutschland abgemeldet, weil es mich prinzipiell stört, wenn Verwaltungen Dreck produzieren.
Einer Legende nach sollten die Schweizer Bürger einen Hut des Diktators Gessler so grüßen als sei er es selbst. Schiller machte aus dem Stoff sein Drama "Wilhelm Tell". Eine solche Funktion hat der Erlass, der freien Bürgern ohne sinnvollen Grund einen Maulkorb anlegt, der nach Expertenmeinungen ihre Gesundheit schädigt.
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